Psychologische gründe rauchen
Andersherum verleiten psychische Erkrankungen scheinbar zum Zigarettenkonsum. Auf lange Sicht verschlimmern sich dadurch die Symptome, eine Entwöhnung trägt zur Besserung bei. Die genauen Zusammenhänge sind noch Gegenstand der Forschung. Rauchen fügt Ihnen und den Menschen in Ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu.
Wer das Rauchen aufgibt, verringert das Risiko tödlicher Herz- und Lungenerkrankungen. Raucher sterben früher. Die EU-Warnhinweise auf den Zigarettenschachteln sind umfänglich, aber längst nicht vollständig.
Psychische Abhängigkeit
Psychisch Kranke sind häufiger Raucher als psychisch Gesunde, und andersherum sind Raucher häufiger psychisch krank als Nichtraucher. Christoph Kröger, Leiter des Instituts für Therapieforschung IFT in München. Langzeitbeobachtungen zeigen, dass Raucher zwei- bis viermal häufiger unter Angststörungen oder Depressionen leiden als Nichtraucher. Von rund Teilnehmern der US-amerikanischen National Comorbidity Study rauchte etwa jeder Fünfte derjenigen ohne psychische Symptomatik, berichteten Professor Dr.
Karen Lasser und Kollegen im Jahr im Journal »JAMA« DOI: Im Vergleich dazu griff etwa jeder dritte Mensch mit sozialer Phobie täglich zu Zigaretten, jeder zweite mit generalisierten Angststörungen und sogar zwei von drei Patienten mit bipolaren Störungen. Auch stieg mit der Schwere der Erkrankung die Anzahl der konsumierten Zigaretten sowie deren Nicotingehalt.
Auswirkungen von Rauchen auf die psychische Gesundheit
Bei den meisten Studien würden andere möglicherweise ursächliche Faktoren nicht berücksichtigt, erklärt Kröger: »Man schaut, wer raucht und dann, wer depressiv geworden ist. Sie nahmen Speichelproben von rauchenden und nicht rauchenden Teilnehmern des schottischen Gesundheitssurvey und und bestimmten deren Gehalt an Serumcotinin, einem Abbauprodukt von Nicotin.
Nur anhand dieser Werte und unabhängig vom Raucherstatus teilte man die Probanden in fünf Gruppen ein und ermittelte den Seelenzustand mittels des »General Health Questionnaire«. Das Ergebnis überrascht nicht: »Wir fanden einen starke dosisabhängige Assoziation zwischen Nicotinexposition und psychologischem Stress«, berichteten die Wissenschaftler um Dr.
Mark Hamer im Fachjournal »JAMA Psychiatry« DOI: Nichtraucher mit niedrigem Serumcotiningehalt waren psychisch weitaus stabiler als Raucher. Giftige Partikel Die Auflistung der im Tabakrauch enthaltenen Substanzen liest sich wie die Bestandsliste eines toxikologischen Labors. Je schwerer die psychische Erkrankung desto höher der Tabakkonsum.
Was steckt hinter der Gewohnheit zu rauchen? – Gedankenwelt
In der Folge werden vermehrt Neurotransmitter ausgeschüttet, die auch mit psychischen Erkrankungen in Zusammenhang stehen: Dopamin als Schlüsselsubstanz des Belohnungssystems, Serotonin, bekannt als vermuteter Mangelstoff bei Depressionen sowie das körpereigene Opioid Endorphin. Subjektiv bewirkt der Rauch gesteigerte Aufmerksamkeit und Gedächtnisleistungen, Wohlgefühl und Entspannung.
Die meisten Raucher würden in jungen Jahren anfangen und somit bereits während der Entwicklungsphase ihre Gehirnfunktionen permanent mit künstlichen Zusatzstoffen labilisieren, erläutert der Psychologe. Möglicherweise, so die Theorie, verändert dieser beständige Einfluss die Rezeptoren derart, dass Betroffene auf andere Reize nicht mehr angemessen reagieren können: »Aber das ist noch weit weg davon, wirklich verstanden zu werden.
Bewusst oder unbewusst setzen Betroffene die Nicotinwirkung womöglich als Selbstmedikation ein, um ihre Stimmung zu regulieren. Allerdings hilft das nur kurz. Einerseits wird Nicotin nach dem Ausdrücken der Zigarette schnell abgebaut, andererseits entwickelt das Gehirn bei Dauerkonsum eine Toleranz. Kröger spricht von einem Teufelskreis. Die kurzfristige Entspannung verkehrt sich langfristig ins Gegenteil, da die anregende Wirkung des Nicotins auf einer erhöhten Ausschüttung von Adrenalin und Cortisol beruht.
Evolutionsbedingt bereiten die Stresshormone den Körper auf Gefahren vor. Adrenalin erhöht Herzfrequenz und Blutdruck, Cortisol setzt Energiereserven frei und lässt unter anderem den Blutzuckerspiegel ansteigen. Mit jedem Zug versetzen die Hormone Körper und Geist in einen Alarmzustand: bei 20 Zigaretten immerhin etwa mal täglich. Vielleicht deshalb berichten rauchende Angstpatienten von stärkeren Anfällen und Panikattacken als ihre nicht rauchenden Leidensgenossen.
Nachweislich erhöht Rauchen sogar das Risiko für suizidale Gedanken und Selbstmordversuche.