Psychologie mehr empathie für gebäude

Pocket Empathie habe Schattenseiten und könne sogar zu egoistischem Verhalten führen, so Autor Fritz Breithaupt. Doch nach diesen Vorfällen kam das Mitleid nur von jenen, die ohnehin schon mit den Protestierenden sympathisierten. International blieb die Empathie weitgehend aus, denn für viele sind die Katalanen keine diskriminierte, sondern eine privilegierte Minderheit mit überzogenen Forderungen und einem aggressiven Auftreten.

Empathie als Brandbeschleungiger von politische Konflikten So hat das Mitgefühl, das die Fernsehbilder bei einigen auslöste, nicht zur Schlichtung des Konflikts beigetragen. Im Gegenteil: Es hat ihn angeheizt und die Fronten verhärtet. Empathie als Brandbeschleuniger von Konflikten — das widerspricht dem geläufigen Image dieses Gefühlsvermögens.

Ist das positive Bild, das wir von der Empathie haben also korrekturbedürftig? Erwarten wir zu viel von der Fähigkeit, uns in Andere hineinzuversetzen? Das findet zumindest Fritz Breithaupt. Wenn wir nur mehr Empathie hätten, dann würde es der Menschheit besser gehen. Und wenn wir das verändern könnten, dann würden wir die Welt verbessern. Bücher über Empathie werden zu Bestsellern, Empathie-Coaching und Achtsamkeits-Seminare werden als berufliche Weiterbildung angeboten.

Mitgefühl und Grausamkeit: Die dunkle Seite der Empathie

Empathie ist Schlagwort, ja fast schon Lebensmaxime der Gegenwart geworden. Und gerade durch diesen inflationären Gebrauch wird der Begriff häufig unscharf verwendet. Das bemängelt auch Hans-Ludwig Kröber, emeritierter Professor für forensische Psychiatrie an der FU Berlin: "Das Problem ist, dass der Begriff Empathie in seinen Bedeutungen sehr massiv ausgeweitet worden ist, eigentlich für alles, was irgendwie an zwischenmenschlichen, guten, emotionalen Beziehungen möglich ist.

Und von daher braucht man immer eine Nachfrage, wenn jemand Empathie sagt, was er damit eigentlich meint. Und das lässt sich im Deutschen durchaus in ganz unterschiedlichen Worten ausdrücken. Also Mitgefühl ist was anderes als Einfühlungsvermögen.

Empathie lernen: Wie wir mitfühlender werden

Einfühlungsvermögen ist was anderes als Fürsorglichkeit. Als forensischer Psychiater schreibt er Gerichtsgutachten über angeklagte Straftäter. In den letzten Jahren werde den Straftätern häufig eine grundlegende Empathielosigkeit bescheinigt. Diese Tendenz beklagt Kröber. Zwar handle ein Straftäter im Augenblick der Gewalttat selbstverständlich nicht empathisch, doch das sage wenig über dessen generelle Fähigkeit zur Empathie aus.

Also diese Einschätzung, diese Generalisierungen, aus einer Tat, die sind sicherlich in vielen Fällen fragwürdig. Das zeigt, wie ausgeprägt sie ist — diese Fähigkeit, die Lebenssituation Anderer mitzuerleben, mitzufühlen und mitzudenken. Mehr noch: Nach Breithaupt sind Menschen zunächst hyperempathische Wesen, sie neigen zur Empathie.

Das zeigt sich daran, dass man selbst für fiktionale Figuren oder längst Verstorbene Empathie empfinden kann: "Menschen haben diese ungeheure Empathiefähigkeit, auf viele Art und Weise. Aber deshalb sind wir auch ein wenig vorsichtig. Die meisten von uns lernen das zu steuern, auch zurückzuhalten. Wir Menschen können eigentlich gar nicht anders als andere Menschen zu beurteilen.

Und wenn wir einen Konflikt zwischen zwei Menschen sehen oder zwei Parteien — das kann auch Sport sein — dann springen wir sehr schnell, vielleicht bewusst, vielleicht nicht bewusst, auf die eine oder die andere Seite. Dieser Mechanismus muss im Alltag nicht immer negative Folgen haben. Und weil sie sich auf die Partei beziehen, weil sie sich immer stärker auf sie einlassen, können sie dazu kommen, dass sie immer stärker diese eine Perspektive hochhalten und dann auch die Empfindungen und Gefühle entwickeln, die zu dieser Seite passen.

Und das kann in der Tat dann Terroristen produzieren. Er ist Philosoph und hat eine Juniorprofessor an der Universität Köln sowie eine Gastprofessur an der Universität Mainz inne. Er kritisiert die Tendenz, sie als eine Art "Heilsbringer" anzusehen, gerade wenn es darum geht, globale Probleme zu lösen.