Psychologie anonym über sex reden wollen
Bislang ging es in der "Me Too"-Debatte um sexuelle Gewalt. Der Fall des preisgekrönten Comedian Aziz Ansari gibt ihr eine neue Dimension. Der Fall des Comedian Ansari zeigt, wie komplex die Kommunikation zwischen Menschen ist, die sich nahe kommen. Und wie verletzend, wenn die Beteiligten es nicht schaffen, sich aus ihrer Sprachlosigkeit zu befreien.
Essay von Julian Dörr. Wie kann es sein, dass zwei Menschen aus einer gemeinsamen Nacht gehen und der eine denkt: "Was für eine gute Zeit!
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Wie kann es sein, dass sie sagt, sie habe eindeutige Signale gesendet - und er sagt, er habe sie nicht verstanden? Es war die schlimmste Nacht meines Lebens". Unter diesem Titel hat das Magazin Babe vor wenigen Tagen eine Geschichte veröffentlicht. Sie handelt von Grace, die anonym bleiben will, und Aziz Ansari, dem preisgekrönten US-Comedian.
Man kann und sollte sie hier in Gänze nachlesen , die Eckdaten sind wie folgt: Junge Frau geht mit berühmtem Mann auf ein Date, viel Aufregung, dann Ernüchterung. Er setzt sie unter Druck, will Sex. Sie geht ein bisschen auf ihn ein, zieht sich wieder zurück. Sie will sich nicht unter Druck setzen lassen. Er hört - irgendwann - auf.
Es ist eine schwierige Lektüre, ein tiefer Blick in die Intimsphäre zweier Menschen, die sich kaum kennen, der detailreiche Bericht eines Eines sexuellen Übergriffs? Eines völlig misslungenen Dates? Von schlechtem Sex? Oder doch von Nötigung?
Aziz Ansari und #MeToo: Zeit, über Sex zu reden
Aber sie traf selten so sehr den Kern wie gerade: Es ist Zeit, endlich über Sex zu reden. Und zwar genau da, wo Menschen ihn haben wollen. Ehrlich und offen. Damit die "Me Too"-Debatte nicht ergebnislos in sich zusammenfällt. Damit aus den vielen Diskussionen der vergangenen Monate tatsächlich ein individuelles Umdenken erwächst, ein gesellschaftlicher Wandel, ein besserer, respektvollerer Umgang von allen mit allen.
Ein Blog wirft dem Comedian Aziz Ansari sexuell übergriffiges Verhalten vor.
Sexuelle Probleme
Widerspruch kommt von der "New York Times". Es ging in der "Me Too"-Debatte bislang um sexuelle Gewalt. Um Machtmissbrauch, um strukturellen Sexismus. Um einflussreiche Männer, die Hierarchien und Abhängigkeiten ausnutzten, um übergriffig zu werden. Darum geht es noch immer. Und es gilt natürlich noch immer: Sexuelle Gewalt ist Gewalt. Sexuelle Gewalt ist kein Sex. Die Entwicklung jedoch, die die Debatte in den vergangenen Wochen genommen hat, zeigt: Es geht auch um Sex.
Die Debatte um "Me Too" ist dort angekommen, wo Menschen am Tresen sitzen, wo sie in der Küche stehen und noch einen Wein trinken, wo sie auf dem Sofa sitzen und rumknutschen.