Mutter tochter konflikt psychologie

Wie Mütter erreichen können, dass das Verhältnis zu ihren Töchtern trotz schmerzhafter Konflikte langfristig keinen Schaden nimmt, erläutert eine Expertin. Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter ist etwas ganz Besonderes. Zunächst identifizieren sich Mädchen vollkommen mit ihrer Mutter. Im weiteren Verlauf der Kindheit sind dann allerdings Reibungspunkte möglich: "Ab dem Kindergartenalter kann es zum ersten Mal spannungsreicher zwischen Mutter und Tochter werden", erklärt die Sozialpädagogin und Erziehungswissenschaftlerin Professor Renate Zwicker-Pelzer von der Deutschen Gesellschaft für Systematische Therapie, Beratung und Familientherapie DGSF.

Doch diese Konflikte sind sehr einseitig und werden noch nicht offen ausgetragen. Das ändert sich drastisch in der Pubertät. Plötzlich beginnt die Tochter zu rebellieren, lehnt ihre Mutter ab und findet sie peinlich. Sie ist nun auf der Suche nach dem eigenen Ich, will sich um jeden Preis abgrenzen und kämpft um ihr Ansehen als unabhängige Persönlichkeit. Gleichgültig wie liebevoll das Verhältnis vorher war, wollen Töchter in dieser Zeit meist nur eins, nämlich "nicht so wie Mama sein" - eine völlig natürliche Abnabelungsreaktion auf dem Weg zum Erwachsenwerden.

Da können schon beiläufige Fragen der Mutter zum Outfit wie "willst du dich nicht noch umziehen? Irgendwie wird den Mädchen dadurch auch das Recht auf Pubertät geraubt. Bei Auseinandersetzungen in dieser Phase sind meist die Töchter die Aktiveren, die unter Umständen massiv gegen die in ihren Augen erdrückende Dominanz und Fürsorge ihrer Mutter rebellieren.

Das ist ein Wahnsinnsdilemma für eine Mutter. Besonders explosiv kann die Beziehung zwischen Mutter und Tochter werden, wenn der Vater nicht in der Familie präsent ist. Dann fehle, erklärt die Erziehungswissenschaftlerin, eine wichtige Projektionsfläche. Dann erreichen sie wahrscheinlich ihre Töchter. Damit aber eine nachhaltige Annäherung möglich wird, auch wenn die pubertierenden Mädchen fast ständig auf Konfrontationskurs gehen und sich wegen jeder Kleinigkeit angegriffen fühlen, müssten gerade die Mütter an sich selbst arbeiten und mit viel Fingerspitzengefühl vorgehen, rät die Expertin weiter: "Mütter sollten am besten die jeweilige Situation erst mal so entspannt wie möglich auf sich zukommen lassen, dabei aber auch alles sorgfältig beobachten und schon kleinste Signale wahrnehmen.

Wenn die Kinder dann reden wollen, sollten ihre Mütter die Gelegenheit ergreifen und es als Einladung sehen, ins Gespräch zu kommen, ohne sich dabei allerdings gleich zu entschlacken oder ungefragt Ratschläge zu erteilen. Doch Beziehungspflege zwischen Mutter und Tochter muss nicht immer nur über Kommunikation funktionieren: Gemütlich zusammen zu sitzen, vielleicht einen Film zusammen anzuschauen, spazieren zu gehen oder gemeinsam einzukaufen, kann schon erheblich Spannungen abbauen und mehr Nähe zwischen den Kontrahentinnen schaffen.

Es gibt so viele andere Möglichkeiten, Verbundenheit zu leben. Um gut miteinander auszukommen, muss dabei auch nicht jeder Konflikt ausgeräumt sein", erläutert Zwicker-Pelzer.

Rollenbilder: Wie Mütter ihre Töchter prägen

Als Trost gibt die Erziehungswissenschaftlerin allen geplagten Müttern mit auf den Weg: "Miteinander zu kämpfen und sich zu reiben, ist ja eigentlich ein Liebesbeweis - man bleibt so verbunden. Ich kämpfe ja nur mit jemandem, der mir etwas wert ist und der mich nicht ignoriert. Und gerade Kinder in der Pubertät brauchen einen Resonanzboden, wo Spannungen und Konflikte eine natürliche Gelegenheit bieten, miteinander zu raufen und sich dabei aber trotzdem nicht zu verlieren.

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Wie Mütter ihre Töchter prägen

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