Rollnick psychologischen reaktanz

Rezensiert von Priv.

Grundlagen der "Motivierenden Gesprächsführung" und ihre Anwendung in der Suchthilfe

Ralf Demmel , William R. Miller, Stephen Rollnick: Motivierende Gesprächsführung. Lambertus Verlag GmbH Marketing und Vertrieb Freiburg ISBN Weitere Informationen bei DNB KVK GVK. Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.

Kaufen beim socialnet Buchversand Kaufen beim Verlag. Alkoholabhängigkeit - ein heikles Thema. Ärzte und Patienten sind selten einer Meinung, wenn sie über "das Trinken" sprechen: Gut gemeinte Ratschläge und "sanfter Druck" wecken in der Regel lediglich den Widerspruch der Patienten. Alkoholabhängigkeit ist - mehr noch als manch andere psychische Erkrankung - ein Stigma, die Diagnose eine Kränkung, ein sachliches und unaufgeregtes Gespräch daher oftmals unmöglich.

Schon Sigmund Freud und seine Schüler hatten keine gute Meinung von ihnen.

socialnet Rezensionen: Motivierende Gesprächsführung |

In der psychoanalytischen Literatur findet sich vielfach der Hinweis, exzessiver Alkoholkonsum sei ein Zeichen "primitiver" Angstabwehr. Nicht weiter verwunderlich, dass Ärzte und Therapeuten in der Vergangenheit vor allem auf Konfrontation und Leidensdruck setzten: Alkoholabhängige Patienten - so die über Jahrzehnte hinweg weit verbreitete Annahme - seien uneinsichtig und unmotiviert, neigten zu Bagatellisierung und Verleugnung, allein Konfrontation könne ihnen die Augen öffnen und die Veränderungsbereitschaft fördern.

Klingt, wenn auch nicht sehr einladend, irgendwie vernünftig, ist aber ein klarer Fall von "self-fulfilling prophecy" und bewahrheitet sich daher scheinbar immer wieder aufs Neue: Je vehementer der Arzt auf "Einsicht" besteht, desto heftiger wehrt sich der Patient gegen die vermeintlich diskriminierenden "Unterstellungen" und "Verdächtigungen" des Arztes - und bestätigt so dessen Erwartungen "Typisch Alkoholiker!

Wie soll man nun aber die Veränderungsbereitschaft alkoholabhängiger Patienten fördern?

Fachinformation

In "Motivational Interviewing" beschreiben die Psychologen William R. Miller University of New Mexico und Stephen Rollnick University of Wales College of Medicine ein zugleich direktives und patientenzentriertes Vorgehen, das weitgehend mit den Annahmen sozialpsychologischer Modelle der Verhaltensänderung übereinstimmt. Bevormundung, nicht mangelnde Krankheitseinsicht, ist demnach die Ursache von Non-Compliance und Widerstand: Die Einschränkung oder Bedrohung der persönlichen Entscheidungsfreiheit ruft Reaktanz hervor - den Wunsch, die verlorene oder bedrohte Autonomie wiederherzustellen bzw.

Der Patient sollte daher das Tempo bestimmen: Veränderungsbereitschaft ist nicht Voraussetzung, sondern vielmehr ein wesentliches erstes Ziel der Behandlung. Um der Konfrontations-Verleugnungs-Falle zu entgehen, initiiert der Therapeut den so genannten "change talk" - ein lautes Nachdenken über wichtige und mögliche!

Offene Fragen lenken das Gespräch auf die Nachteile des Status quo einerseits und die Vorteile einer Veränderung andererseits.

Verhalten von Klienten in Zwangskontexten by Johanna Rolletschek

Die Autoren beschreiben in der nunmehr zweiten - aktualisierten und erweiterten -Auflage ihres Bestsellers ein Vorgehen, das sowohl sympathisch als auch "evidence-based" ist: Die Ergebnisse zahlreicher Studien belegen, dass eine Behandlung, die den von Miller und Rollnick formulierten Prinzipien entspricht, effektiv und effizient sein kann. Diesem Aspekt sind in der Neuauflage daher eigens zwei Kapitel gewidmet.

Diese Beiträge ergänzen die ersten beiden Teile des Bandes Grundlagen und Praxis , die zweifelsohne das Interesse an weiteren Anwendungsmöglichkeiten wecken werden. Diese Neugier befriedigt der umfangreiche vierte Teil der amerikanischen Originalausgabe Anwendungsfelder : Seit Erscheinen der ersten Auflage von "Motivational Interviewing" zu Beginn der neunziger Jahre wurde der Anwendungsbereich des Verfahrens erheblich erweitert insbesondere die Verhaltensmedizin hat davon profitiert.

Die Leser der deutschen Übersetzung werden leider auf eine Zusammenfassung des aktuellen Stands dieser Entwicklung verzichten müssen. Trotz dieser Einschränkung ist der von Rigo Brueck besorgten Übersetzung und allen "schwierigen" Patienten eine weite Verbreitung dieses Standardwerks der Psychotherapie zu wünschen. Rezension von Priv.

Ralf Demmel Dipl. Besprochenes Werk kaufen Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel — in Deutschland versandkostenfrei — über den socialnet Buchversand bestellen. Zitiervorschlag Ralf Demmel. Rezension vom