Bochum gehrte psychologe

Der Bochumer Psychologe Jürgen Margraf wurde für seine Forschung zu Angststörungen mit dem Franz-Emanuel-Weinert-Preis ausgezeichnet. Jeder Vierte leidet mindestens einmal unter Angststörungen. Die Behandlung sei effektiv, finde aber zu selten statt, sagt er im Interview. Jeder Fünfte leidet mindestens einmal unter Angststörungen. Die Behandlung sei effektiv, finde aber zu selten statt, so Psychologe Jürgen Margraf.

Jürgen Margraf 54 ist Professor für klinische Psychologie und Psychotherapie an der Ruhr-Universität Bochum. Seit leitet er das Bochumer Forschungs- und Behandlungszentrum für psychische Gesundheit. Im September wurde Margraf mit dem Franz-Emanuel-Weinert-Preis von der Deutschen Gesellschaft für Psychologie DGPS ausgezeichnet — für seine Forschung zu Angst und ihrer Bewältigung.

Psychosoziales Adressbuch

Im Interview erklärt er, woran Betroffene eine Angststörung erkennen und was Bochum für seine Forschung besonders macht. Herr Margraf, während der Begriff Angststörung vor einigen Jahren noch kaum jemandem etwas sagte, hat man heute den Eindruck, dass immer mehr Menschen betroffen sind. Können Sie das bestätigen? Mehr Leute suchen eine Behandlung, das stimmt.

In den USA ist es tatsächlich so, dass die Zahl der Betroffenen innerhalb von zwei Generationen drastisch gestiegen ist. Das ist in Europa nicht der Fall. Studien im deutsch- und englischsprachigen Raum zeigen, dass die Menschen öfter arbeitsunfähig sind , nicht aber, dass die Zahl der Betroffenen an sich gestiegen ist.

In Deutschland leiden 20 bis 25 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal in ihrem Leben unter einer Angststörung. Jetzt in diesem Moment sind rund 10 bis 12 Prozent betroffen, Frauen häufiger als Männer. Das ist eine ganze Menge. Doch woran merke ich, dass ich betroffen bin? Aus einer Angst wird eine Angststörung , wenn Folgendes zutrifft: Der Betroffene leidet unter der Angst, sie ist nicht kontrollierbar und führt zudem zu Einschränkungen im Alltag.

Auch unangemessene Ängste, die zu lang oder zu stark sind, können auf eine Angststörung hindeuten. Während die Angst, öffentlich zu sprechen, jemanden, der das nie machen muss, nicht betrifft, kann das für jemand anderen problematisch werden. Das ist ähnlich wie die Angst vor Hunden: Führt die Angst, auf dem Weg zur Schule oder Arbeit einem Hund zu begegnen, dazu, dass wir nicht mehr dort hingehen, leiden wir darunter und sie schränkt uns ein.

Psychologe in Gerthe Stadt Bochum

Was passiert, wenn ich die Angststörung nicht behandeln lasse? Eine Angststörung ist häufig der Anfang, es können Depressionen folgen, auch eine Alkohol- oder Tablettenabhängigkeit ist möglich. Wer zum Beispiel unter einer Panikstörung leidet, hat häufig Herzklopfen, Schwindel oder sogar Angst zu sterben. Angst, die die Betroffenen gar nicht als solche wahrnehmen. Diese Angstreaktion kann sich verselbstständigen und der Betroffene entwickelt ein Vermeidungsverhalten.

Wenn man das direkt behandelt, spart man durch jeden Euro, den man für die Behandlung ausgibt, fünf andere Euros für eine spätere Behandlung. Jürgen Margraf studierte Psychologie, Soziologie und Physiologie in München, Brüssel, Kiel und Tübingen. Er war von bis Leiter des Institutes für Psychologie an der Universität Basel sowie Leiter der Abteilung Klinische Psychologie an der Psychiatrischen Universitätsklinik Basel.

Seit hat Margraf die Alexander-von-Humboldt-Professur für Klinische Psychologie und Psychotherapie inne und ist gemeinsam mit Prof. Silvia Schneider Leiter des Forschungs- und Behandlungszentrums für psychische Gesundheit an der Ruhr-Universität Bochum. Von bis war er Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie. Für seine wissenschaftlichen Verdienste wurde Jürgen Margraf vielfach ausgezeichnet und mit beträchtlichen Forschungsgeldern unterstützt, zuletzt mit dem Franz-Emanuel-Weinert-Preis im September dieses Jahres.

Er lebt mit seiner Frau in Bochum-Ehrenfeld.